Eine kleine Geschichte des Telefons2019-03-05T19:02:39+01:00

 

Eine kleine Geschichte der Telefon-Technik

von 1861 bis in die Gegenwart

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Die Erfindung der Telefontechnik durch Philipp Reis

Johann Philipp Reis (* 7. Januar 1834 in Gelnhausen, Kurfürstentum Hessen; † 14. Januar 1874 in Friedrichsdorf)

Die Geschichte der modernen Telefontechnik beginnt in Deutschland und setzt sich dann in den USA fort. Sie ist eng mit zwei Namen verbunden:

  • Johann Philipp Reis und
  • Alexander Graham Bell

Darüber hinaus sind aber auch noch viele andere Erfinder und Wissenschaftlicher an dieser Technik mit beteiligt.

Reis schaffte es dabei als Erster, Sprache in elektrische Impulse umzuwandeln, diese über eine gewisse Distanz zu übertragen und danach diese Signale auch wieder in Sprache zu übersetzen. Damit hatte er die technische Grundlage für die moderne Telekommunikation gelegt.

Der erste öffentlich so übertragene Satz ist der legendäre Ausspruch „Das Pferd frisst keinen Kartoffelsalat“ und Reis führte diese Übertragung am 26. Oktober 1861 in Frankfurt vor. Dieses Datum ist damit auch der Start der modernen Telefon-Geschichte.

Der erste übertragene Satz wurde mit Bedacht so ungewöhnlich gewählt um sicher stellen zu können, dass dieser Satz auch tatsächlich übertragen wurde und es vorher keine Absprache dazu gab. tatsächlich ist überliefert, das vorher Texte aus einem Fachbuch durchgegeben wurden, aber diese auf Unglauben stießen, weil angenommen wurde, der Empfänger hätte das Buch auswendig gelernt. Reis musste Fachwelt und Wissenschaft überzeugen, dass dieser Satz wirklich elektronisch übermittelt wurde und es keinen Trick dahinter gab. Daher wurde dieser Satz ausgewählt und dies sind bis heute die ersten gesprochenen Worte, die elektronisch übertragen wurden.

In einer zeitgenössischen Beschreibung heißt es zu der Technik:

„Jeder Apparat besteht, wie aus obiger Abbildung ersichtlich, aus zwei Teilen; Dem eigentlichen Telephon A und dem Reproductionsapparat C. Diese beiden Theile werden in solcher Entfernung von einander aufgestellt, dass das Singen oder das Tönen eines musikalischen Instrumentes auf keine andere Weise, als durch den Apparat von einer Station zur anderen gehört werden kann.“ (Zitat u. Abb. aus Originalprospekt 1863, repr. in [Reuter 1990, 6])

Grundlage für den Erfolg von Reis war die Umsetzung einer Membran, die Schallwellen in elektronische Impulse umwandeln konnte. Er experimentierte dazu zuerst mit einem Modell eines menschlichen Ohrs und nutzt dann einen Schalltrichter, auf den eine Membran gespannt war. An dieser Membran war ein Kontakt befestigt und wenn Schallwellen diese Membran in Schwingungen versetzten wurde der Stromkreis geschlossen und es floss Strom. Auf diesem Grundprinzip basierten Mikrofone über lange Zeit.

Frühe Darstellung eines Telefons: Bild aus Seite 809 in „Die Gartenlaube“ von 1863.

Die Sprachqualität bei Reis war allerdings sehr begrenzt und auch wenn Schall übertragen werden konnte, waren die Resultate doch sehr schwierig zu erkennen. Teilweise wurde auch behauptet, dass Sprache überhaupt nicht übertragen werden konnte, die ist mittlerweile jedoch wiederlegt und scheint eher der Versuch gewesen zu sein, Bells Anteil an der Erfindung des Telefons zu erhöhen.

Unbestritten ist aber, dass die Qualität der Sprachübertragungen eher mangelhaft war. Das mag ein Grund gewesen sein, warum Reis es nicht schafft, die Fachwelt und die Öffentlichkeit vom Nutzer seiner Technik zu überzeugen. Dazu hatte Reis (anders als später Bell) kein größeres Interesse an einer wirklichen Nutzung. Er ließ sich seine Idee nicht patentieren und war eher an den technischen Aspekten interessiert als an der Vermarktung des Telefons. Dazu wurde Reis leider nur 40 Jahre alt. Möglicherweise wäre die Geschichte des Telefons anders geschrieben worden, wenn ihm mehr Lebenszeit vergönnt worden wäre.

Die Weiterentwicklung der Idee durch Bell

Alexander Graham Bell (* 3. März 1847 in Edinburgh, Schottland; † 2. August 1922 in Baddeck, Kanada)

Graham Bell schaffte es dann, diese Technik weiterzuentwickeln, so dass auch Sprache besser übertragen und verstanden werden konnte. Sein größter Erfolg dürfte aber sein darauf auch ein Patent zu bekommen. Dieses wurde am 7. März 1876 (also etwa 15 Jahre nach den ersten erfolgreichen Versuchen von Reis) erteilt und ist damit das erste Patent auf das Telefon. Die Technik, die er einsetzte, basierte aber in erster Linie auf den Ansätzen von Reis. Bell verbesserte in der Folgezeit das Modelle aber immer weiter und setzte beispielsweise für den Empfang der Schallwellen schon bald auf Induktion anstatt auf Kontakte und konnte damit die Qualität der Aufnahmen von Sprache und Tönen deutlich erhöhen.

Dazu war das erste Telefon und vor allem das Patent dazu von gerichtlichen Auseinandersetzungen überschattet. Nur zwei Stunden nach Bell gab es eine weitere Patentenanmeldung durch Elisha Gray  und Bell musste sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, dass seine Patentschrift in weiten Teilen abgeschrieben war und er nur schneller bei der Einreichung gewesen wäre. Tatsächlich finden sich beim Entwurf von Bell viele Parallelen.

Allerdings konnte Bell sich in allen Prozessen vor Gericht durchsetzen und damit ist sein Patent auf ein Telefon das erste weltweit und damit gilt er heute als Erfinder des Telefons als Apparat, auch wenn diese Technik auf vielen Schultern ruht und neben Bell und Reis noch eine ganze Reihe von anderen Erfindern und Ingenieuren ihren Anteil daran haben.

Große Ehre: Alexander Graham Bell starb am 2. Augst 1922 und in den USA gab es eine landesweite Schweigeminute zu seinen Ehren in deren Umsetzung alle Telefonverbindungen für 1 Minute unterbrochen wurden.

Ein Nachbau des Bell ‚Gallows‘ Telefon von 1877 aus dem Museum der Kommunikation in Pleumeur-Bodou. Image of 2006.

In Deutschland wird Siemens aktiv

Wandtelefon OD 03 aus der zeit um die Jahrhundertwende.

Das Patent von Bell hatte in Deutschland keine Gültigkeit und so konnte hierzulande Siemens in dieses Geschäft einsteigen. Auf der Webseite des Unternehmens findet man heute noch einen Satz aus dieser Zeit, der zeigt, wie interessiert man an diesem Thema war:

Ende Oktober 1877 schreibt Werner von Siemens an seinen Bruder Carl in London: „Wir sind hier jetzt im großen Telephontrubel! […] Stephan hat vor, jedem Berliner Bürger womöglich ein Telephon zu jedem anderen zur Disposition zu stellen!“ 

Quelle https://www.siemens.com/history/de/aktuelles/1066_fernsprechamt.htm

Der Start in Deutschland erfolgte dabei bei Siemens mit einem Nachbau des Apparates von Bell. Dies war auch ohne rechtliche Probleme möglich, denn Bell hatte zwar ein Patent auf dieses Modell, aber dieses Patent erstreckte sich nicht auf den deutschen Markt. Daher konnte Siemens die Geräte nachbauen und vertreiben. Siemens schaffte es auch, den Preis zu senken und konnte die baugleichen Geräte für 5 Mark in Deutschland anbieten, während Bell für seine Exemplare um die 25 Pfund verlangte.

Siemens schaffte es in der nachfolgenden Zeit, das Telefon noch weiter zu verbessern. Der größte Erfolg dürfte dabei die Umstellung auf Hufeisenmagneten sein. Auf diese Weise wurde die Induktion von Strömen verstärkt und die Signale wurden stärker. Auf diese Weise konnte Sprache lauter übertragen werden und bei der Aufzeichnung wurden auch feinere Nuancen des gesprochenen Wortes erfasst. Die Qualität der Übertragungen verbesserte sich dadurch deutlich und es wurde darüber hinaus möglich, die Signale über weitere Entfernungen zu übertragen.

 In Berlin sind zum Start des Ortsnetzes aber erst 8 Teilnehmer mit einem Telefon und einer passenden Nummer ausgestattet. Dennoch wird das Telefon von Siemens in Berlin ein Erfolg und hat bereits einige Jahre später mehrere zehntausend Kunden. Auf diese Weise kam das Telefon aus den USA nach Deutschland zurück und hatte auch hier großen Erfolg.

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Die Auswirkungen des Telefons

 

In der Folgezeit wurde die Entwicklung der Telefontechnik durch viele neue Erfindungen voran getrieben und vor allem der Ausbau der Netze wurde begonnen. Bells erste Apparate hatten noch eine sehr schlechte Qualität und schafften es nicht, die Gespräche über mehr als 75 Meilen zu übertragen. In den nachfolgenden Jahren wurde aber die Technik der Geräte immer weiter verbessert und erreichte schließlich einen Stand, der den praktischen Einsatz von Telefonen möglich und vor allem sinnvoll machte.
Um die Erreichbarkeit zu schaffen mussten in den Städten und darüber hinaus Telefonnetze aufgebaut werden und dazu auch die Technik um Gespräche in diese Netzen zu vermitteln. Die Erfindung des Telefons allein machte zwar die moderne Telekommunikation möglich, den tatsächlichen Grundstock für diese Entwicklung brachten jedoch die Telefonnetze, die weltweit aufgebaut wurden. Dies war eine vollkommen neue Entwicklung, denn in Städten gab es bis dahin Netze für Wasser und Abwasser, aber für Kommunikation mussten diese Netze erst aufgebaut werden. Mittlerweile gehört dies durchaus zur Grundversorgung von modernen Metropolen.
Auch die Kontinente rückten näher zusammen: Langwellenfunk sowie  später Kabel unter den Ozeanen machten es möglich, dass auch Gespräche von Europa nach Amerika und nach Australien möglich wurden. Bereits 1927 ging der transatlantische Telefondienst an den Start. Dieser übertrug Nachrichten per Langwelle über den Atlantik. Das erste Kabel unter dem Meer wurde 1956 in Betrieb genommen. Diese Kabel (mit der Bezeichnung TAT-1) war 3600 Kilometer lang und wurde durch 51 Verstärker unterstützt, die alle 71 Kilometer dafür sorgten, dass das Signal auf die Entfernung nicht verloren ging. Mittlerweile gibt es fast zwei Dutzend solcher Kabel weltweit im Einsatz.

Der Wählapparat 38 von Siemens&Halske aus der Nachkriegszeit

Diese Netze sind zwar nicht mehr in Betrieb und vielfach ersetzt, sie stellen jedoch die erste Ausbaustufe der Telefontechnik dar und legten den Grundstein für die modernen Netze, die derzeit überall zu finden sind und Haushalte, Menschen und Unternehmen verbinden. Inzwischen hat sich die Technik dabei weiter entwickelt und es gibt nicht mehr reine Telefon-Netze, sondern vor allem Datennetze. Diese basieren in ihrer Ideen aber dennoch auf den ehemaligen Telefonnetzen und die Idee eines Kabelanschlusses im Haushalt geht darauf zurück.

Wie bei viele Erfindungen hatte es aber auch das Telefon in der Anfangszeit schwer und viele Zeitgenossen sahen keinen Sinn darin, gesprochene Sprache über Entfernungen zu transportieren. Man sah darin eher einen Zirkustrick, der zwar faszinierend und verblüffend war, aber letztendlich in der Praxis kaum einen Nutzen hat. Man sieht diese Einstellungen an die Zitaten aund Aussprüchen vieler zeigenossen:

  • „Das Telefon hat zu viele Mängel, als dass es ernsthaft als Kommunikationsmittel in Betracht kommen könnte.“Manager der Western Union, 1876
  • „Das Telefon ist eine Erfindung des Teufels, die die erfreuliche Möglichkeit, sich einen lästigen Menschen vom Leibe halten zu können, teilweise wieder zunichte macht.“ – Ambrose Bierce
  • „Eine erstaunliche Erfindung. Aber wer sollte sie jemals benutzen wollen“ (US-Präsident Rutherford B. Hayes im Jahr 1877).

Mit dem Abstand von 150 Jahren wissen wir mittlerweile natürlich, dass diese Einschätzung falsch war. Mittlerweile hat die moderne Telekommunikation, die in vielen Teilen auf den Ansätzen von Reis und Bell beruht die Gesellschaft deutlich umgewandelt und vor allem dafür gesorgt, dass international und national die Entfernungen zwischen den Menschen gefühlt kleiner geworden sind. Echtzeitkommunikation mit Handys und Telefonen macht es heute möglich, dass man jede Person direkt erreichen kann und zwar unabhängig vom Ort und der Zeit.

Handys und Smartphones

 

 

Im Vergleich: iPhone 6s und Zanco Tiny T1

Die nächste Entwicklungsstufe der Telefontechnik ist neuer und in den letzten 50 Jahren angesiedelt. Sie basiert auf der Idee, Kommunikation unabhängig vom Kabel zu machen. Mit Telefonen waren Menschen zu Hause und im Büro erreichbar. Der nächste Schritt waren dann die Handys, mit denen die Kommunikation drahtlos ermöglicht wurde. Es war nicht mehr notwendig, ein Kabel zu nutzen um Anrufe zu tätigen oder angerufenen zu werden. Es reicht, wenn ein Funkmast mit einem passenden Mobilfunk-Netz in der Nähe war und die Kommunikation war in der Reichweite dieses Mastes drahtlos möglich. Ende der 2000er Jahre bekam diese Entwicklung einen deutliche Aufschwung, denn die Handys wurden kleiner und billiger und erreichten eine Stufe, auf der sie für den breiten Massenmarkt interessant und erschwinglich wurden. Dies führte auch zu einer deutliche Zunahmen von Modellen: War bis dahin etwa ein Gerät pro Haushalt der Normalfall hatte ab dann jeder Nutzer ein eigenes Gerät. Auch das Image der Geräte ändert sich. Bis dahin wurden die Handys in erster Linie als teurer Spielzeug für Yuppies wahrgenommen und wurden mit zunehmender Verbreitung mehr und mehr zu einer Selbstverständlichkeit.  Die Handys waren zu diesem Zeitpunkt kein Luxusartikel mehr, sondern zunehmen eine Alltäglichkeit, die einfach dazu gehörte. Mittlerweile muss man nicht mehr erklären, warum man ein Handy dabei hat, sondern eher, warum man kein Handy nutzt.

Der vorerst letzte Schritt in dieser Entwicklung ist die Transformation von Handys zu Smartphones. Bei diesen Geräten tritt die eigentliche mobile Kommunikation mit anderen Menschen in den Hintergrund. Stattdessen sind Handys vor allem ein Zugangspunkt für das mobile Internet und damit im engeren Sinne Geräte für das Senden und Empfangen von Daten. Es werden also nicht mehr länger Gespräche übertragen sondern (auch bereits bei den Handys) Datenformate, die unter anderem auch Sprache (oder auch Fotos, Musik oder Videos) enthalten können.

Die Auswirkungen des Telefons

 

In der Folgezeit wurde die Entwicklung der Telefontechnik durch viele neue Erfindungen voran getrieben und vor allem der Ausbau der Netze wurde begonnen. Bells erste Apparate hatten noch eine sehr schlechte Qualität und schafften es nicht, die Gespräche über mehr als 75 Meilen zu übertragen. In den nachfolgenden Jahren wurde aber die Technik der Geräte immer weiter verbessert und erreichte schließlich einen Stand, der den praktischen Einsatz von Telefonen möglich und vor allem sinnvoll machte.

Nokia N73 mit Zeiss Objektiv aus Jena

Um die Erreichbarkeit zu schaffen mussten in den Städten und darüber hinaus Telefonnetze aufgebaut werden und dazu auch die Technik um Gespräche in diese Netzen zu vermitteln. Die Erfindung des Telefons allein machte zwar die moderne Telekommunikation möglich, den tatsächlichen Grundstock für diese Entwicklung brachten jedoch die Telefonnetze, die weltweit aufgebaut wurden. Dies war eine vollkommen neue Entwicklung, denn in Städten gab es bis dahin Netze für Wasser und Abwasser, aber für Kommunikation mussten diese Netze erst aufgebaut werden. Mittlerweile gehört dies durchaus zur Grundversorgung von modernen Metropolen.
Auch die Kontinente rückten näher zusammen: Langwellenfunk sowie  später Kabel unter den Ozeanen machten es möglich, dass auch Gespräche von Europa nach Amerika und nach Australien möglich wurden. Bereits 1927 ging der transatlantische Telefondienst an den Start. Dieser übertrug Nachrichten per Langwelle über den Atlantik. Das erste Kabel unter dem Meer wurde 1956 in Betrieb genommen. Diese Kabel (mit der Bezeichnung TAT-1) war 3600 Kilometer lang und wurde durch 51 Verstärker unterstützt, die alle 71 Kilometer dafür sorgten, dass das Signal auf die Entfernung nicht verloren ging. Mittlerweile gibt es fast zwei Dutzend solcher Kabel weltweit im Einsatz.

Kontaktinformationen

Leutragraben 2-4 c/o Admarkt

Web: https://telefonmuseum-jena.de